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Hilfe! Mein Welpe beißt mir in die Finger!

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Moderator: Tina B.

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Hilfe! Mein Welpe beißt mir in die Finger!

Beitragvon Tina B. » 21. Jun 2012 16:10

Okaaay...na dann wollen wir doch mal sehen, ob das denn so stimmt!

Fangen wir damit an, dass ein Welpe ins Haus kommt. Er ist in einer Gruppe groß geworden, in der jeder seine Körpersprache und Ausdrucksweise verstand, und die Geschwister haben untereinander im Spiel eine Menge gelernt.
Welpen lernen so: Wir beißen mal heftig, der andere jammert, prima! Dann kommt die Retourkutsche ebenso heftig und er merkt: Das war wohl etwas übertrieben, also wenn ich nicht wieder so etwas riskieren möchte, muss ich mich moderat verhalten.
Sie lernen, sich gegenseitig verständliche Signale zu geben; das Anfangs wilden Zähnefletschen wird angepasst und später wird vielleicht nur noch die Leftze gekräuselt.
Natürlich klappt so etwas im Wurf besonders schön, da die Hunde zusammen lernen und sich ständig besser verstehen.

Geht es zu wüst zu, kommt die Mutter und regelt den Betrieb. Sie nimmt sich die unbelehrbaren mal kräftig vor, und so lernen sie: Auch wenn sich der andere nicht so gut wehren kann, ist er für mich kein Opfer! Ich habe mich an die Regeln zu halten.
Der Züchter wird ebenfalls eingreifen, wenn es nötig ist.

Das ist der optimale Verlauf, zu dem die Züchter sicher noch mehr schreiben können.
Die Welpen sind stets behütet und müssen mit unklaren Situationen nicht alleine klar kommen. Ihre Familie gibt ihnen dazu klare Orientierungshilfen. Bedrohliche Situationen werden gemeinsam durchgestanden und das Selbstbewußtsein steigt.

Kommt nun ein Welpe in sein neues Heim, macht er zum ersten Mal die Erfahrung, dass er diese Situation erst einmal für sich alleine durchstehen muss. Alleine.
Um Überleben zu können, muss er sich flexibel an seine neue Umwelt anpassen und wird sich vertrauensvoll jemandem anschließen, der sich dazu anbietet. Im häuslichen Bereich klappt das oft schnell und gut. Immerhin ist der neue "Star der Truppe" ein Mittelpunkt und Ziel der ungeteilten Aufmerksamkeit seiner neuen Menschen.

Die Menschen spielen auch mit ihrem Welpen, und dann machen die Menschen eine tolle Erfahrung: Welpen haben Nadelspitze Zähne! Und sie hacken oft nicht gerade zärtlich in die dünne Menschenhaut.
Indem man seine Finger, Hände oder Arme reflexartig wegzieht, wird man ganz wunderbare rote Striemen oder sogar oberflächliche Hautverletzungen riskieren. Denn ist wohl klar: Wenn etwas weg gezogen wird, dann möchte der Welpe es lieber festhalten! Je nach Charakter des Welpen steigen manche begeistert in das wüste Spiel ein: Schnappen und weggeschubst werden, nachspringen und schnappen, Angriff und Verteidigung.
Und dann heißt es: Hilfe, mein Welpe beißt!

Menschenhände sind keine Kauknochen

Hintergrund:

Der Welpe schadet einem nicht boshaft und mit schlechter Absicht. Er setzt das fort, was er mit seinen Geschwistern die ganze Zeit gemacht hat.
Welpen haben keine Hände. Sie erfahren ihre Umwelt durch die Schnauze; ähnlich wie Babys haben sie ihre orale Phase.
Wir betrachten den Charakter des Hundes: Hat man einen "Raufbold", sollte man sich nicht auf "Rauf-und Bolzspiele" einlassen.
Im Spiel gibt es immer viele Übertreibungen. Es liegt aber am Menschen, den Hund im Spiel einzuschätzen und ihn nicht in die "Raserei" zu treiben.
Spiel ist immer Kommunikation. Also eine sehr wichtige Beschäftigung, um sich gegenseitig kennen zu lernen!
Viele unterschiedliche Spiele fördern die Gehirnleistung und bereiten den Hund auf seine weitere Erziehung vor

Wie gehe ich mit dem schnappenden Ungeheuer um?

Dazu gibt es ein paar Vorschläge, die, auf den Welpen abgestimmt, zum Erfolg führen. Da jeder Welpe einen anderen Charakter hat, muss man vielleicht etwas experimentieren.

Der Welpe hackt in die Finger und der Mensch:

- jault übertrieben auf und zieht sich zurück
- jault auf, bricht das Spiel ab und beendet die Kommunikation für eine kurze Zeit. (Vorsicht! Ignorieren ist eine Strafe mit hohem Potential und darf keinesfalls übertrieben werden)
- jault auf und setzt dem Welpen kurz zu (der dadurch aber nicht in eine Verteidigungshaltung gedrängt werden darf)
- sagt deutlich und ernst: Nein! mit ernstem Blickkontakt
- ernstes "NA!" mit frontal auf den Hund gerichtetem straffen Körper
- ein Zurückdrängen des Welpen mit der Körperfront, verbal begleitet

Ziel der Maßnahme ist es nicht, den Hund zu erschrecken oder ihn in eine Verteidigungshaltung zu drängen, aus der er sich keinen anderen Rat weiß als wieder "anzugreifen".
Das Ziel ist, ebenso wie beim Spiel der Wurfgeschwister, durch eine deutliche Kommunikation mit dem Welpen eine vom Menschen gewünschte und geführte Art des Umgangs zu erreichen.

Leider finden es viele Leute sehr witzig, wenn die kleinen Racker die Zähne gefährlich fletschen und sich dem "Kampf stellen". Klar, das ist für uns ja auch nicht Lebensbedrohlich. Aber es kann schon zu einer Unart führen, die mit der Zeit mehr als lästig wird. Oder ganz schlecht: Manchmal findet man das ganz süß, ein andermal ist unsere Gemütslage schlecht und dann reagiert man evtl. über. Man sollte immer gleichmäßig handeln, damit der Welpen die Gelegenheit hat, uns als beständig und verlässlich kennen zu lernen.
Sehr wichtig ist, sich jedes Lachen zu verbeißen. Leider sind unsere Hunde sehr schlau (ja, auch schon die kleinen!) und merken sofort, wenn wir versuchen, sie zu veräppeln. Die Ausstrahlung des Menschen muss mit seinen Handlungen übereinstimmen.
Dabei ist es von Vorteil, wenn man seine Emotionen authentisch vermittelt und auch blitzschnell "umschalten" kann, wenn es die Situation erfordert.
Da sind uns die Hunde oft weit voraus: Sie vermitteln ihre Emotionen ungeschminkt und in Realzeit, agieren blitzschnell den Bedürfnissen entsprechend und sind weder "falsch" noch "nachtragend".

Die Welpen müssen lernen, auch aus dem Erregungszustand des "wilden Spielens" wieder `runterzufahren und dazu den Menschen zu dulden, der ein ganz anderes Ziel als der Welpe haben kann.
Hier festigen sich Verhaltensweisen, die später sehr hilfreich sein können: Den Hund zu verarzten, wenn er verletzt ist (der Hund ist dann auch erregt), den Hund zur Ruhe zu bringen, wenn er aufgepuscht ist, den Welpen spielerisch zu Geduld und Mäßigung zu erziehen.

Fragen? Ergänzungen? Erfahrungen? Immer her damit!

Lieben Gruß Tina



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Re: Hilfe! Mein Welpe beißt mir in die Finger!

Beitragvon Maren » 21. Jun 2012 19:16

Am Wochenende hatten wir unser Seminar "vom Welpen zum Junghund" mit Andreas Clauser und Angela Wahner.
Andreas erzählte dort folgende Anekdote:
eine Frau mit einem 5 Monate alten Hund kam zu ihm und fragte "wann setzt eigentlich die Beisshemmung ein?". Er fragte zurück wie es gemeint ist und dann zeigte sie ihren Unterarm, der zerkratzt und voller blauer Flecken war. Die Beisshemmung des Hundes hat einfach nicht funktioniert! Wenn's nicht eigentlich traurig wäre könnte man darüber lachen.
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